Interview durch Mara Marschall

Ruth Köhler

M: Ruth, du greifst auf einen immensen Erfahrungsschatz zurück. Was hast du schon alles im Voltigiersport gemacht.

  • Ich war fast 40 Jahre Abteilungsleiterin im RFV Zweibrücken mit großen Erfolgen im Gruppenvoltigieren (damals war A das Höchste), Einzel und Doppel, habe dann einen eigenen Verein gegründet und ihn mit meinen beiden Kindern Barbara und Jürgen aufgebaut.
  • Ich habe 29 Voltigierturniere im RFV Zweibrücken ausgerichtet und organisiert, unter anderem Bundessichtungen, 5-Länderturniere, Landesmeisterschaften und 16 mal Pfalzmeisterschaften (davon 14 mal gewonnen / 12mal in Folge!!) und verschiedene Tagungen wie Bundesausbildertagung, Bundesrichtertagung und vieles mehr. Ich hatte Referenten wie Paul Lorenz, Annette Müller-Kaler, Peter Petersen, Thomas Föcking, Christof Lensing, Dittmar Otto und viele mehr zu uns als Referenten eingeladen!
  • Ich bin Gründungsmitglied der AGPV und seitdem mit unterschiedlichen Posten vertraut. In der letzten Zeit war ich unter anderem Initiatorin des E-Kaders.
  • Ich bin seit Anfang der 1980er Jahre Mitglied im Fachbeirat Rheinland-Pfalz.
  • Ich war von 2000 bis 2004 Mitglied im Bundesfachbeirat Voltigieren.
  • Ich bin im Besitz der Trainer B-Lizenz und bin Longierlehrer.
  • Ich bin Richter VOT.

M: Ich finde den Spagat zwischen Breiten- und Leistungssport bewältigst du sehr gut. Der Leistungssport kann nur durch eine breite Basis entstehen und das sieht man bei dir sehr gut.

Ja, ich bin regelmäßig im Breiten- und Turniersport tätig, auch Kinder bzw. Menschen mit Beeinträchtigungen gehören für mich zum Breitensport. Aber auch in der Spitzenausbildung bin ich mit Leidenschaft dabei, das sieht man an unseren Einzelvoltigierern und insbesondere an meiner Tochter Barbara, mit der ich zuletzt auch international unterwegs war.

M: Der Voltigiersport hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Wie stehst du zu dieser Entwicklung?

Der Voltigiersport hat sehr viele Traditionen. Jedoch dürfen wir uns der enormen Schnelllebigkeit unseres Sportes und den daraus entstehenden Entwicklungen nicht verschließen. Der Spruch „Immer schnell, immer weiter, immer höher“ scheint im Voltigiersport zu einem Leitspruch geworden zu sein. Ich denke aber, hier muss immer kritisch hinterfragt werden. Das gilt auch im Hinblick auf andere Neuerungen. Im Blick auf das internationale Reglement kann man das Entstehen der 6er Teams verstehen. In Ländern mit sehr weiten Strecken z. B. Australien oder Amerika sind 8er Teams sehr schwer zusammenzustellen. In Deutschland können wir uns gegen diese Entwicklung nicht verschließen. Wir haben mit den variablen Teams alle Möglichkeiten geschaffen.

M: Was hat sich in den letzten Jahren positiv entwickelt, was negativ?

  • Positiv stehe ich der Entwicklung mit 6er und variablen 8er Gruppen gegenüber. In stärken Regionen kann man mit 8er Teams und in schwächeren Regionen mit 6er Teams arbeiten. Bei Verletzung oder anderen Ausfällen, ist es auch leichter an den Start zu gehen. Man ist nicht gezwungen, einen zu schwachen Voltigierer einzusetzen.
  • Ebenso sehe ich positiv, dass immer größeres Augenmerk auf unsere Pferde gelegt wird.
  • Negativ sehe, dass die Schere von Spitzen- und Breitensport immer weiter auseinandergeht. Mit normalen Mitteln ist der Anschluss an den Spitzensport nicht mehr zu schaffen.

M: Was ist dein Ziel in der AGPV?

Ich möchte junge Leute für die Provinzialverbands- bzw. Verbandsarbeit motivieren. Nicht unter dem Zwang sie müssen etwas tun, sondern so, dass sie sich aus Interesse am Voltigiersport engagieren. Eventuelle Hemmschwellen etwas zu übernehmen, möchte ich abbauen. Weiterverfolgen möchte ich das Arbeiten in Arbeitsgruppen, die sich kurzfristig mit einem Thema beschäftigen, dieses darf aber nicht zu langwierig werden. Diese Arbeitsgruppen sollen motivieren eine Aufgabe zu übernehmen. Mein langfristiges Ziel ist, dass sich die jetzigen Vorstandsmitglieder jeder einen Vertreter suchen, der eingearbeitet werden soll, so dass bei einem Ausscheiden eines Funktionsträgers nicht eine riesige Lücke klafft, sondern die Arbeit weitergeführt werden kann. Somit möchte ich die Funktionsträger entlasten lebenslänglich eine Aufgabe tun zu müssen und interessierten Personen die Change bieten, leichter in ein Amt hinein zu wachsen.
Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit meinem Vorstandsteam, aber auch mit allen Arbeitsgruppenvertretern der AGPV.

M: Vielen Dank für das Gespräch.