Am 25. Dezember 2019 ging es für eine Gruppe von Pfälzer Voltigierer nach Australien. Hier lest ihr ihren spannenden Bericht.

25. Dezember 2019 - Mittwoch (Abflug)
Etwa 3 Stunden vor Abflug trafen wir uns am Frankfurter Flughafen.
Abflug um 20:30 über Dubai, Melbourne nach Canberra.
Schon beim Flug von Melbourne nach Canberra sahen wir den Dunst, der von dem Rauch der Feuer in den Blue Mountains verursacht wurde.

27. Dezember 2019 - Freitag (Ankunft)
Nach ca. 20 Stunden Flug und ca. 30 Stunden unterwegs kamen wir in Canberra an, wo wir von unseren Host-Familien herzlich empfangen wurden. Sie nahmen uns jeweils mit zu sich nach Hause, wo wir erst einmal auspacken und uns ausruhen konnten. Nachmittags trafen wir uns alle wieder zum Picknick im Kings Park am Lake Burley Griffin, dem See mitten in Canberra.Mit gutem, von den Gastgebern vorbereiteten Essen, stärkten wir uns bei ein paar Spielen.
Relativ bald fielen die Mädels dann auch völlig erschöpft ins Bett.

28. Dezember 2019 - Samstag
Um 10 Uhr trafen wir uns am National Museum.
Wir besuchten gemeinsam eine Ausstellung über Dreamworld Animationsfilme und machten dann die Museumstour über das Leben in Australien. Wir erfuhren hier einiges über die Anfänge der Besiedelung bis zum jetzigen Alltag.
Um 2pm trafen wir uns am Parliament House, wo wir von einen sehr guten Führer die Geschichte des Verhältnisses zwischen den Weißen und den Aborigines erklärt bekamen. In der Verfassung waren bis in die 70er Jahre die Aborigines keine Einwohner Australiens. Australien war vor der Besiedelung durch die Europäer nicht bewohnt. So stand es in der Verfassung. Erst danach bekamen die Aborigines nach und nach Rechte.
Von dort aus fuhren wir direkt in das Clubhaus des Harmonie German Club of Canberra, bei denen Rachel ein Abendessen für uns organisiert hatte. Dazu wurde vorab schon Essenwünsche für typisch deutsches Essen abgefragt. Der Präsident des Clubs begrüßte uns und hieß uns herzlich Willkommen.
Der Vater von Jane (Mutter von Naomi) war früher lange Präsident des Clubs. Heute sind kaum mehr deutschstämmige Mitglieder dabei und kaum einer kann noch deutsch sprechen. Wir überreichten dem Präsidenten einen selbstgemachten Kalender mit Bildern aus deutschen Regionen.
Nach dem Essen war Karaoke geplant, Die Mädels tanzten zu der Musik.


29. Dezember 2019 - Sonntag
Da es wieder sehr heiß war, und die Nationalparks wegen der Feuergefahr gesperrt waren, trafen wir uns nur im Schwimmbad, um nach der Abkühlung und einem kleinen Picknick in die Shopping Mall zu gehen. In den klimatisierten Räumen ließ es sich aushalten. Dort zeigten uns die Gastgeber, wo man am besten shoppen kann.In Australien sind die meisten Geschäfte auch Sonntags geöffnet. Die ersten Souveniers wurden gekauft.
Abends schloß ein gemeinsames Abendessen in der Pizzeria den Tag.

30. Dezember 2019 - Montag
Heute trafen wir uns am Questacon, das ist ein wissnschaftliches Erlebnismuseum ähnlich dem Dynamikum in Pirmasens. Hier werden auch viele wissenschaftliche Experimente anschaulich dargestellt und jeder kann selbst erleben und ausprobieren. Zum Schluß besuchten wir eine Show, wo das physikalische Thema “Bewegung” anschaulich erklärt wurde und wir sogar auch teilnehmen konnten.

Mittags fuhren wir gemeinsam auf das Anwesen einer unserer Host-Familien außerhalb von Canberra im Busch. Es war etwa eine Stunde Fahrt, die am Ende einige Kilometer auf einer unbefestigten Straße verlief. Immer wieder sahen wir die Schilder mit dem aktuellen Status der Feuergefahr. Zu unserer Austauschzeit galt der “total fire bann”, in dem ganz strenge Regeln für den Umgang mit Feuer gelten. Erst an Weihnachten stand das Feuer ganz nahe an dem Anwesen der Familie. Das Haus konnte gerettet werden.

Wir liefen durch den verbrannten Wald und legten von der Familie vorbereitetes Futter und Wasser für die Wildtiere aus. Diese leiden auch sehr unter der Trockenheit, die inzwischen schon mehr als ein Jahr andauert. Das bedeutet ein Jahr ohne einen Regentropfen. Auch lernten wir hier, dass es nicht selbstverständlich ist, dass jederzeit beliebig viel Wasser aus der Leitung kommt. Das Regenwasser wird in riesigen Containern gesammelt und sparsam verwendet.
Das Haus wird hier auch ganz modern mit einer PV-Anlage mit Batterie betrieben. Die Familie lebt hier völlig Energie- und Wasserautark. So wie auch viele Anwesen, die im Busch liegen, die meisten versorgen sich aber über Dieselgeneratoren mit Strom.
Nach Einbruch der Dunkelheit führte Karen uns durch den Wald und wir konnten einige Tiere beobachten. Wir sahen ein Opossum und einen Koalabär. Wir schliefen alle auf Matrazen in Schlafsäcken überall auf dem Boden.

31. Dezember 2019 - Dienstag
Nach dem gemeinsamen Frühstück fuhren wir im Konvoi wieder zurück zu dem Pferdesportzentrum Kerrabee, in dem die australischen Mädchen normalerweise voltigieren. Heute hatten wir eine gemeinsame Trainingsstunde, in der wir neben gemeinsamen Spielen auf dem Bock uns gegenseitig unsere Kürübungen vorführten und dann gemischte Übungen ausprobierten. Die Pferde hatten wegen der großen Hitze Pause. Dabei unterhielten wir uns über die Erlebnisse der vergangenen Woche. Es war für alle eine großartige Erfahrung, die fremden und doch ähnlichen Gewohnheiten zu erleben und die gemeinsamen Unternehmungen zu geniesen.

Für Silvester war ursprünglich geplant, den Abend am See in Canberra zu verbringen und dem Feuerwerk zuzuschauen. Wegen der großen Feuergefahr wurde zuerst das Feuerwerk abgesagt. Da riesige Feuer aus der Southcoast südlich Sydney gemeldet wurden, die ganze Dörfer vernichteten, wurden auch alle Veranstaltungen in der Stadt abgesagt. Wir trafen uns statt dessen im Haus einer der Gastfamilien und feierten dort beim Grillen und Spielen Silvester.
Da alle sehr müde waren und morgens früh aufstehen mußten, stießen wir schon etwas vor Mitternacht auf das neue Jahr an.

1. Januar 2020 - Mittwoch
Heute hieß es schon Abschied nehmen von den ersten Gastfamilien. Es geht mit dem Zug über Sydney nach Newcastle, wo wir von der zweiten Gruppe erwartet wurden.
Noch gestern war die Bahnstrecke wegen Feuers gesperrt. Heute war die Strecke wieder frei. Da der Wind gedreht hat, war es sehr rauchig, so dass wir den Rauch riechen und kaum 100m weit sehen konnten.

Auf dem Weg nach Sydney klarte die Luft wieder auf. Dort stiegen wir in den Zug nach Newcastle, wurden aber kurz vor der Abfahrt darüber informiert, dass auf der Strecke gerade ein Feuer bekämpft wird und geprüft wird, ob wir auf Busse ausweichen müssen. Nach ca. einer halben Stunde bekamen wir die Information, dass Busse bereit stehen, um die Feuer zu umfahren.Wir haben riesiges Glück gehabt, dass wir selbst auf diesem Weg keine Feuer sahen und die Gegend unserer neuen Gastgeber noch nicht von Feuer bedroht waren. In Broadmeadow, einem Ortsteil von Newcastle wurden wir von den Familien erwartet, wir hatten ihnen inzwischen von der Verspätung erzählt. Nach einem kurzen Zwischenstop am Strand fuhren wir mit den Gastfamilien heim.

2. Januar 2020 - Donnerstag
Wir trafen uns alle in Port Stephens am Strand, von dort machten wir eine Bootstour, um Delfine zu beobachten. Nach dem Picknick am Strand von Nelson Bay fuhren wir mit unseren Familien nachhause.

3. Januar 2020 - Freitag
Den Vormittag verbrachten wir bei den Gastfamilien und trafen uns dann alle wieder bei Poppy, deren Familie zuhause einen großen Pool hat, zum Mittags-BBQ. Dort stärkten wir uns für das gemeinsame Voltigiertraining im Verein des Hunter Valleys am Abend, als es nicht mehr so heiß war.
Hier konnten wir auf dem Pferd unsere Übungen fortsetzen, die wir zuvor ausprobiert hatten.


4. Januar 2020 - Samstag
Heute hieß es früh aufstehen, es wird wieder heiß. Wir wollten bei Port Stephens einen kleinen Berg bei der Shoal Bay besteigen. Der Dunst hatte sich heute auch etwas zurückgezogen, wir sollten eine gute Sicht über die Strände haben. Gegen halb neun begannen wir den Aufstieg. Nach einer guten Stunde erreichten wir den Gipfel. Es hatte sich wirklich gelohnt, die Aussicht war grandios. An diesen Strand wollten wir! So langsam wurde es auch warm. Wir stiegen also wieder ab und unsere Gastgeber führten uns über einen kleinen Weg zum Strand. Wir wagten uns am flachen Strand ein bisschen in die Wellen

Die Temperaturen waren bald nur noch im Wasser zu ertragen, wir gingen weiter an einen nahegelegenen Strand, an dem eine Wasserburg aufgebaut war. Hier konnte unsere Gruppe sich austoben, Einige Hindernisse sind nur gemeinsam zu überwinden, was unseren Zusammenhalt weiter förderte. Das obligatorische Picknick schloß diesen erlebnisreichen Tag ab und wir fuhren mit unseren Familien wieder nach hause.


5. Januar 2020 - Sonntag
Die meisten Nationalparks waren wegen der Brandgefahr geschlossen. Der Reptil-Park in der Nähe von Central Coast hatte aber geöffnet, so besuchten wir ihn, wo wir viele einheimische Tiere sahen, die teilweise so zahm wahren, dass wir sie streicheln konnten. So sahen wir Komodo-Drachen, Schlangen, Koalas, Dingos, Echidneas, Wombats und viele andere australischen Tiere. Hier ließ es sich lange verweilen, und die Gastgeber erklärten uns viel über die Flora und Fauna ihrer Heimat.

Ein weiteres Thema war immer wieder die Hitze und die Feuer. Erstaunlicherweise gehen die Australier sehr gelassen mit der Gefahr um. Sie sind gut vorbereitet und sind in der Lage, ihre Häuser zu schützen, so dass die Feuer zwar das Gras und die Bäume außen herum verbrennen, aber die Häuser unversehrt bleiben. Nichts desto trotz hatte an der Southcoast das außer Kontrolle geratene Feuer ganze Dörfer verwüstet.
Den Nachmittag und Abend verbrachten wir wieder bei den Familien.

6. Januar 2020 - Montag
Endlich stand Sydney auf dem Plan. Wir nahmen der Zug von Windsor nach Sydney direkt nach Townhall. Von dort wanderten wir nach Darling Harbor, wo wir gemeinsam das Aquarium besuchten. Hier konnten wir mitten in den riesigen Aquarien mit Haien, Seepferdchen, Korallen und vielen anderen Tieren und Fischen laufen.
Nach einem kleinen Picknick in der Stadt führten die Gastgeber uns durch die große Mall in Sydney. Natürlich mussten wir auch hier shoppen. Abends konnten wir mit unseren Familien Videos ansehen oder spielen.

7. Januar 2020 - Dienstag
Heute durften wir gemeinsam voltigieren. Bei Dodi auf dem Hof am Hawkesbury River bereiteten wir gemeinsam das Pferd und die Übungsgeräte für unsere Trainingseinheit vor. Ein so große Gruppe müssen wir auf Holzböcke und das Pferd verteilen, so dass wir abwechselnd auf dem Holzpferd gemeinsame Übungen ausprobieren und dann auf dem Pferd noch einmal nachturnen.
Nachdem wir uns ausgepowert hatten und es allmählich wieder heiß wurde, gab es eine Überraschung. Dodis Mann Bret holte sein Motorboot aus der Garage und wir gingen zusammen an das Flussufer. Während er das Boot zu Wasser ließ, konnten wir uns bei einem Picknick stärken und dann durften wir mit Wasserski, Knieboard oder Luftkissen fahren. Bret zog uns mit dem Boot durch das Wasser. Immer sieben durften dabei mit auf dem Boot fahren.

Direkt am Ufer auf einem Baum schlief eine Schlange. Sie ließ sich von uns nicht stören.
So nahe hat wohl noch niemand von uns eine wilde Schlange gesehen. Uns wurde versichert, dass sie harmlos ist. Ein weiteres BBQ folgte und so ging ein weiterer erlebnisreicher Tag zu Ende.

8. Januar 2020 - Mittwoch
Nochmal Sydney: Gleicher Weg mit der Bahn. Fahrt bis Martin Place. Von dort an der St. Marys Cathedral vorbei, über den Hydepark und botanischer Garten zum Cycle Kai. Hier wurde wieder die Auswirkung der Feuer deutlich, das ist kein Dunst, sondern Rauch, der über weite Strecken sich ausbreitet. Normalerweise ist hier die Luft sehr klar. Am Strand konnten wir uns in den Wellen erfrischen und austoben. Nach einer Shoppingtour ging es wieder zurück.
Der Abend klang wieder in den Familien aus.Zum Beispiel wurde in einer Familie ein in Australien beliebtes Gebäck „Tim Tam“ gebacken.

9. Januar 2020 -Donnerstag
Nach einem heißen Tag gestern waren es heute angenehme Temperaturen von 23-25 Grad. Wir trafen uns alle am Tree Tops Adventure Park in Yarramundi. Das war ein Kletterpark ähnlich dem, den wir letztes Jahr in Kaiserslautern mit unseren Gästen besuchten, nur noch etwas größer und höher in den australischen Bäumen. Dieses Gelände schien noch nicht vom Feuer heimgesucht worden zu sein.
So hatten wir am letzten gemeinsamen Tag noch einmal die Gelegenheit, uns gemeinsamen Herausforderungen zu stellen.

Voltigierer bekommen nie genug, das galt hier in Australien genauso wie bei uns in Deutschland: es reichte nur ein Picknick, uns zu stärken und weiter zu fahren zu einem Voltigierstall einer australischen Ausbilderin, die das einzige „Movie“ in Australien hat. Ein „Movie“ ist in Deutschland inzwischen recht verbreitet und ist ein Holzpferd, das die Bewegung eines galoppierenden Pferdes nachempfindet, indem der Rumpf eine rollende Bewegung durchführt. Das ermöglicht den Sportlern, ihre Übungen in einer sich bewegenden Umgebung zu trainieren und neue Figuren auszuprobieren, ohne das Pferd zu belasten.Abends gab es noch ein gemeinsames Pizzaessen in Windor, bevor alle wieder nach Hause fuhren.

Wir konnten noch einmal unsere gemeinsamen Erlebnisse austauschen und es wurden wieder die ersten Einladungen ausgesprochen. Es werden bestimmt bald individuelle Besuche in die eine oder andere Richtung stattfinden. Nun sind wieder neue Kontakte geknüpft und das Netzwerk wächst stetig. Auf beiden Seiten sind Besuche immer herzlich willkommen. Eine der „wichtigsten“ Erfahrungen war das Probieren des nationalen Brotaufstrichs „Vegemate“. Die Australier wollen darauf nicht verzichten. Für uns ist das sehr gewöhnungsbedürftig und die meisten mögen es nicht, es schmeckt sehr salzig und irgendwie nach Maggie.

 

10. Januar 2020 - Freitag
Abschied:
Morgens war noch Zeit für gemütliches Frühstücken in den Familien und zum packen. Um 12 Uhr mussten wir uns am Bahnhof in Windsor von unseren Gastgebern verabschieden. Auf dem Weg fuhren wir noch einmal durch einen Bereich, der vor 14 Tagen noch gebrannt hat. Teilweise stehen nur noch die verkohlten Stämme, manche Bäume sind am Boden verkohlt, die Blätter sind aber vertrocknet. Die meisten Häuser können gerettet werden. Alles außenherum ist verkohlt nur das Haus ist unversehrt. Es war immer noch dunstig vom Rauch. Wir hatten wirklich Glück, dass wir nicht betroffen waren.

Auf dem Heimflug sahen wir dann doch noch ein paar Feuer in den Blue Mountains:
Es waren wieder sehr schöne und erlebnisreiche 14 Tage gemeinsam mit unseren Freunden, von denen wir hoffentlich den ein oder anderen wieder mal wieder treffen.